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Alfons Limbrunner


Alfons Limbrunner verstorben

Alfons Limbrunner

Kurz vor Weihnachten ist Alfons Limbrunner verstorben. Er war Mitbegründer der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft, die das gemeinsam durchgeführte Projekt „Soziale Landwirtschaft auf Biobetrieben in Deutschland“ nach dessen Abschluss weiterführte. Zuvor war er als Dozent an der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg tätig und vertrat dort das Fach Soziale Arbeit. Als Pensionär hat er maßgeblich dafür gesorgt, dass Bayern heute in vieler Hinsicht Vorreiter der Entwicklung Sozialer Landwirtschaft in Deutschland ist. Meine erste Begegnung liegt etwa zwölf Jahre zurück. Alfons Limbrunner saß als Zuhörer eines von mir als ziemlich misslungen empfundenen Vortrags im Saal – die Technik hatte nicht funktioniert, ich musste improvisieren und zudem im Anschluss an einen bekannten Redner referieren, wegen dem die meisten Zuhörer zu der Veranstaltung gekommen waren. Soziale Landwirtschaft wurde in dem Vortrag, in dem es um Kulturlandschaft und Möglichkeiten der Entwicklung durch Ökolandbau ging, nur am Rande gestreift; die eigene Arbeit in diesem Feld hatte gerade erst begonnen. Alfons Limbrunner sprach mich nach dem Vortrag an, und das kurze Gespräch war Auftakt zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit.  Alfons Limbrunner war „Grüne Sozialarbeit“ ein Herzensanliegen, das er auch in seine Lehre an der Fachhochschule einbrachte, aus der sich eine Reihe Studierender zu Abschlussarbeiten anregen ließen. In seiner Lehre propagierte er ein „Social Entrepreneurship“ – ein soziales Unternehmertum zur Sozialen Arbeit im Grünen Bereich. Zudem war er beratend auf dem Hausenhof und dem Münzinghof tätig – anthroposophische Lebens- und Arbeitsgemeinschaften, die er nach Kräften als Supervisor unterstützte. Darüber hinaus faszinierte ihn Karl König, den Gründer der Camphill-Bewegung. Nach seiner Pensionierung unterstützte Alfons Limbrunner die Herausgabe mehrerer Bücher mit Texten und Vorträgen aus dem Nachlass dieses Arztes, der als Jude aus Nazideutschland nach Schottland emigrierte und dort die weltweit verbreitete Camphill-Bewegung initiiert hatte. Darauf war Alfons in dem im DASoL-Rundbrief 31 wiedergegebenen „Gespräch“ noch eingegangen. Alfons Limbrunner war ungeheuer belesen und vielseitig interessiert, sein Interesse galt Joseph Beuys ebenso wie dem Phänomen der Blutrache in Albanien. Sein Domizil in Erlangen glich einer Bibliothek. Seine Bezugnahme auf historische Quellen und Pioniere Grüner Sozialarbeit ist in seinen Beiträgen in dem von uns gemeinsam herausgegebenen Buch „Boden unter den Füßen“ nachzulesen. Und er schrieb gerne und viel, etwa für die Zeitschrift „Info3“. 

„Grüne Sozialarbeit“ und „Soziale Landwirtschaft“ war für ihn dasselbe – eben aus unterschiedlichem Blickwinkel betrachtet. Diese unterschiedlichen Blickwinkel – Landwirtschaft und Soziale Arbeit - ergänzten sich so gut, dass wir Alfons Limbrunner als Projektpartner in das vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderte Projekt „Soziale Landwirtschaft auf Biobetrieben in Deutschland“ anfragten. Sein Beitrag darin lag vor allem in der Organisation und Durchführung von Gesprächen mit Trägern Sozialer Arbeit; in der letzten Projektphase ging die Idee der Gründung regionaler Arbeitsgemeinschaften auf ihn zurück, was sich als fruchtbarer erwies als die zuvor verfolgte Idee thematischer Arbeitsgemeinschaften. Er hatte richtig erkannt, dass die Berührungspunkte von Initiativen mit unterschiedlicher Klientel in derselben Region weit größere sind als die kilometermäßig weit entfernter Betriebe mit identischer Zielsetzung.

Nach Auftakttreffen in der WAB Kosbach (Erlangen) und bei der mudra Wald und Holz-Drogenhilfe (Nürnberg) entstanden eine Broschüre mit Projekt- und Hofvorstellungen sowie vier kurze Filme über Höfe in Nordbayern und die regionale Netzwerkarbeit. Später war er treibende Kraft bei der Herausgabe des Buches „Boden unter den Füßen“ sowie bei der Initiierung einer gemeinsam mit der Nürnberger xit-GmbH durchgeführten Studie zum Status Quo Sozialer Landwirtschaft in Bayern. Alfons Limbrunners Aktivitäten zur Sozialen Landwirtschaft konzentrierten sich auf Bayern, hier fühlte er sich wohl.

Die Ökonomisierung Sozialer Arbeit war ihm ein Dorn im Auge – die Entwicklung zur „Sozialwirtschaft“ sah er äußerst kritisch, andererseits sah er in einem „sozialen Unternehmertum“ ein unausgeschöpftes Potenzial für Grüne Sozialarbeit. Schmerzlich war für ihn, dass mit seiner Pensionierung an der Ev. FH Nürnberg auch das einzige Studienangebot zur Sozialen Landwirtschaft in einem Studiengang der Sozialen Arbeit an einer deutschen Hochschule abgewickelt wurde.  Das Potenzial Sozialer Landwirtschaft für eine sozialere, ökologischere Landwirtschaft fand er interessant, aber sein Fokus waren die Menschen und die Möglichkeiten, ihnen durch Soziale Landwirtschaft, durch Grüne Sozialarbeit zu helfen. Vom Hofgut Rädel in Brandenburg, einer JugendhilfeEinrichtung, wo wir uns vor acht Jahren zu einer Projektbesprechung trafen, unternahmen wir mit dem früher dort tätigen Landwirt Marcus Sperlich eine Exkursion nach Schmerwitz – einem Großbetrieb, der früher von der Suchthilfeeinrichtung Synanon bewirtschaftet und auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt worden war und in diesem Zuge umfassend durch Landschaftselemente und Biotope ökologisch aufgewertet wurde – ein Beispiel für die Möglichkeit, durch Soziale Landwirtschaft aktiv Kulturlandschaft und Natur weiter zu entwickeln. Zum Zeitpunkt der Begehung blühte auf den Feldern überall Acker-Gauchheil, ein unscheinbares Primelgewächs, und meine beiläufige Bemerkung, dieses Ackerwildkraut, dessen Namen (Gauch = Narr) auf seine frühere Verwendung als Heilpflanze gegen Narrheit deutet, sei ja eigentlich die Pflanze der Sozialen Landwirtschaft schlechthin weckte Alfons Interesse, und liebevoll trug er bei dem Rest der Begehung das ihm überreichte Exemplar mit sich.

Aufgrund seiner Erkrankung, die er noch schriftstellerisch in seinem letzten Buch „Tumoresken“ umsetzte, zog er sich aus der aktiven Mitarbeit in der DASoL und der Mitherausgabe unseres Rundbriefs zuletzt heraus – im Bewusstsein, für die Entwicklung Sozialer Landwirtschaft und Grüner Sozialarbeit noch als Pensionär Wesentliches und viel Gutes bewirkt zu haben.

Wir werden ihn vermissen – und danken! Thomas van Elsen

 

Kurzbeschreibung

Persönliches und Überpersönliches, die Schritte des eigenen Lebens auf den Wegen der Zeit, schält Alfons Limbrunner aus den Erfahrungen im Umgang mit der doppelten Krebserkrankung seines Sohnes und der eigenen. Nüchtern, heiter, mit der Wärme des tätigen Sozialarbeiters, der er im Berufsleben war, und mit dem Atem des an großer Literatur geübten Lesers, schreibt Alfons Limbrunner über das Wunder des Lebens.

 

Arbeitsgebiete

 


Projekte


Ausbildung / beruflicher Werdegang 

 

 
Gremien / weitere Aktivitäten


 

Publikationen - Auswahl  

(gesamte Veröffentlichungsliste unter www.evhn.de/alfons.limbrunner)


Alfons Limbrunner, Stefan Löwenhaupt, Marcus Sambale, Katharina Heider: Soziale Landwirtschaft in Bayern. Eine praxisorientierte Bestandsaufnahme im Auftrag des StMELF. Nürnberg 2014, Eigenveralg xit – forschen. planen. beraten. (vorerst unveröffentlicht)

Alfons Limbrunner, Thomas van Elsen (Hrsg.): Boden unter den Füßen. Grüne Sozialarbeit – Soziale Landwirtschaft – Social Farming. Beltz Juventa 2013

Alfons Limbrunner: Aktivitäten und Netzwerkbildungen Sozialer Landwirtschaft in Bayern. In: Ländlicher Raum - Zeitschrift der Agrarsozialen Gesellschaft, 2/2013, S. 15-17
 
Alfons Limbrunner: Unser tägliches Gemüse gib uns heute Oder: Das grüne Herz Camphills. In: Hausenhof Zeitung 2/213 
 
Alfons Limbrunner: Inklusion als gesellschaftliches Leitbild – Der Hausenhof, ein inklusives Gemeinwesen. In: Hausenhof Zeitung 1/2013 
   
Alfons Limbrunner: Vertrauen und Transparenz: Die Vertrauensstelle der Camphill Dorfgemeinschaft Hausenhof. In: Punkt und Kreis, Michaeli 2012, S. 31-32
 
Alfons Limbrunner: Hofverwandlung – Der Demeter-Betrieb Jurahof geht den Weg der Sozialen Landwirtschaft. In: info3, H. 7-8/2012, S. 32-33
 
Alfons Limbrunner: Entwicklungsbegleitung. Supervision und Coaching - Wege zu einer bewussteren Gestaltung des Arbeitslebens. In: info3, 3/12, S. 46-49
 
Alfons Limbrunner: Angewandte Nachhaltigkeit. Porträt eines sozialen, zukunftsorientierten Unternehmens - Die Camphill Dorfgemeinschaft Hausenhof. In: Sozialmagazin, Heft 1/2012, S. 29-35
 
Alfons Limbrunner: Leben, lernen, arbeiten. Die Erfolgs- und Wirkungsgeschichte anthroposophischer Heilpädagogik, Sozialtherapie und Sozialarbeit. In: info3, Heft 6/2011, S. 30-34
 
Felix Hebeler und Alfons Limbrunner: Zehntausend Klafter Holz oder grüne Menschenfreude? Das Waldprojekt der mudra-Drogenhilfe. In: Sozialmagazin 4/2010, S. 40-44
 
Alfons Limbrunner: Grüne Sozialarbeit - Soziale Landwirtschaft – Social Farming. Was sich aus der Verbindung von Landbau und Sozialarbeit entwickelte und warum die Arbeit mit der Erde, mit Pflanzen und Tieren mehr ist als nur die Arbeit mit Erde, Pflanzen und Tieren. In: 
Sozialmagazin 4/2010, S. 34-39
 
Alfons Limbrunner: Ein starkes Gespann: Wie sich Landbau und Sozialarbeit verbündeten, die Soziale Landwirtschaft erfunden wurde und dabei etwas zukunftsweisend Neues entstehen könnte. In: info3, 2/10, S. 43-46

Alfons Limbrunner: Wesensveränderung. Wie das Sozialwesen zur Sozialwirtschaft und zu Markte getragen wird. Eine kurze Geschichte Sozialer Arbeit. In: Sozialmagazin 12/2009, S. 29-34


Thomas van Elsen, Marie Kalisch, Anne Jaenichen, Alfons Limbrunner: Menschenwürdiges Leben durch Soziale Landwirtschaft. In: LandInForm, Magazin für Ländliche Räume, Heft 3/2009

Alfons Limbrunner: Was ist SoFar, Herr van Elsen? Ein Gespräch über Soziale Landwirtschaft, Grüne Sozialarbeit und zugleich ein kleines Loblied auf alternatives, soziales Unternehmertum. In: Sozialmagazin, 6/08, S. 37-41
 
Alfons Limbrunner: Wie Menschen unternehmerisch Probleme lösen und Zukunft gestalten. Lehrstücke schöpferischen Handelns. In: Sozialmagazin 5/2007, S. 56-59
 
Alfons Limbrunner: Soziale Arbeit als Beruf. Berufsinformationen und Arbeitshilfen für Ausbildung und Praxis. Juventa Verlag, 2. Auflage, Weinheim/München 2004

Alfons Limbrunner: Nach grüner Farb mein Herz verlangt. Ein Streifzug durch die Farbe des Jahrhunderts und warum es ab sofort auch eine grüne Sozialarbeit gibt. In: Sozialmagazin, 7-8/2003, S. 20-21
 
 Alfons Limbrunner: Boden unter den Füßen oder: Macht Landluft frei? Ökologie in der Sozialen Arbeit. Ein Blick auf eine zukunftsweisende Praxis. In: Sozialmagazin, 7-8/2003, S. 11-20
 
Alfons Limbrunner (Hrg.): „Waldorf-Sozialarbeit“- Anthroposophie und Soziale Arbeit. 
Beltz Verlag, Weinheim/Basel 1993

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 19. Februar 2018 um 10:52 Uhr